Shitstorm – Marketing-Gag oder ernstgemeintes Angebot?

Der sogenannte Shitstorm ist inzwischen eine Waffe im Internet geworden, die erheblichen Einfluss auf bestimmte Zielgruppen, wie auch auf das ausgesuchte Opfer nehmen kann. Eine gezielt eingesetzte Shitstorm-Kampagne kann Leumund, Image und Existenzen bedrohen. Sie hat aber auch etwas Gutes: ein Shitstorm kann geschickt medienwirksam genutzt werden und somit auch für Aufsehen und Interesse sorgen. Wer die Waffe Shitstorm benutzt, sollte deshalb vorab genau darüber nachdenken, wie er sie effektiv, aber doch moralisch einwandfrei verwenden kann.

Was versteht man unter einem Shitstorm?

Laut Duden wird ein Shitstorm definiert als “Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht”. Es handelt sich bei einem Shitstorm also um eine Kommentierung und Beurteilung von Texten, Artikeln, Aussagen oder nur das Handeln von Personen, die über ein meist soziales Netzwerk kritisch analysiert wird. Shit deshalb, weil es sich dabei meist um beleidigende und auch diskriminierende Äußerungen handelt. Der Kreativität der Verfasser sind hier oft keine Grenzen gesetzt. Inzwischen gibt es eine Shitstorm-Skala, die wie ein neuzeitlicher Wetterbericht aufgebaut ist. Windstärke und Wellengang sind von 0 bis 6 eingestuft und definieren die Intensität dieses Sturms. Berücksichtigt werden auch die Kategorien Social Media und das Medienecho, das gerade in der höchst erreichbaren Skala 6 ein aufgepeitschtes Publikum mit einem aggressiven, beleidigenden und bedrohenden Tonfall definiert.

Welche Auswirkungen hat ein Shitstorm?

Der Shitstorm ist wie eine Welle der Empörung, die schnell und unberechenbar über den Gepeinigten einbricht. Oft sucht man im privaten oder beruflichen Umfeld einer prominenter oder derzeit im Brennpunkt stehenden Person nach einer “offenen Wunde”, um gezielt eine Schmutz-, Hetz- oder Hasskampagne zu starten. Dabei sind dem Voyeurismus oft keine Grenzen gesetzt. Die Befriedigung des Bloßstellens erzeugt gerade dann Macht, wenn man anonym oder mit falschen Synonymen seine Komplexe befriedigen kann. Ein einfaches Gerücht reicht oft schon aus, um das Hetzen des Opfers zu starten, das erst mal völlig wehrlos diesem Sturm der Entrüstung ausgesetzt ist. Gerade die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter schüren diese Welle der lustvollen Befriedigung und können in wenigen Minuten die Stärke eines Shitstorms beeinflussen. So entsteht aus einem kleinen, persönlichen Groll ein globaler, ausschweifender Zorn, der sich oft ungebremst auf ein völlig unbedarftes Opfer richtet. Es lebe die globale Befriedigung und die Lust sich auf ein Opfer zu stürzen, dass sich nicht wehren kann.

Wie Medienagenturen einen Shitstorm vermarkten!

Aber wie alles im Leben, hat auch ein Shitstorm eine positive Wirkung, die sich besonders Medienagenturen zunutze machen. Die großen sozialen Netzwerke eignen sich auch perfekt, um die Aufmerksamkeit der Presse und den Journalisten zu gewinnen. Diese sorgen dann dafür, dass dieser Sturm der Entrüstung als Top-Thema in den Medien veröffentlicht wird. Auch die gezielte Verbreitung in gängigen Blogs sorgt schnell für eine effektive Kampagne, die nachhaltig eine bestimmte Zielgruppe konkret beeinflussen kann. Deshalb sollte man es nicht falsch verstehen, wenn einige Agenturen professionell einen Shitstorm verbreiten, die als Kommentar-Pakete von bis zu 200.000 Euro verkauft werden. Wer den Einfluss der sozialen Netzwerke kennt und weiss, wie schnell sich Nachrichten weltweit im Internet verbreiten können, kennt auch die Auswirkungen, die ein gezielte Shitstorm-Kampagne auslösen kann. Diese Welle der Entrüstung kann auch blitzschnell für das Interesse von Fans, Medien oder Kunden sorgen und somit auch für eine selbst produzierte Imagepflege sorgen, die ein Außenstehender auf den ersten Blick gar nicht erkennen kann. So hat auch ein Shitstorm seine Berechtigung.

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